Ausgabe 9 Chun-Lan Hermann

Künstlerinnen und Künstler denken über den Alltag weit hinaus und sprechen mit ihrer Kunst immer wieder grundlegende gesellschaftliche Fragen an. Wie sagte Picasso so schön:

„Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“

Bisher fehlte uns oft die Ruhe, uns mit der Bedeutung der Kunst für unser Leben zu beschäftigen. Der Lebensalltag war oft zu schnell und zu funktional. Es besteht zu wenig Zeit und Raum für grundlegendes Denken.

Nun ist der richtige Moment gekommen, diese Fragen zu stellen.

Viele sehen, dass wir – trotz eines uns grenzenlos erscheinenden Fortschritts – an unsere Grenzen stoßen und das Wesentliche aus dem Blick verlieren. Es gilt, die Welt von heute neu zu denken und die Welt von morgen neu zu gestalten.

Deshalb laden wir Künstler*innen ein, mit denen 701 e.V.  in den letzten Jahren zusammengearbeitet hat, ihre Gedanken mit uns zu teilen. Lassen Sie uns zusammen mit den Künstler*innen den Staub von unseren Seelen waschen.

AUSGABE 9 – 30.07.2020
Chun-Lan Hermann

Teilnehmender Künstler der Ausstellung
Fabric of Art, 2019

Lebt und arbeitet in:

Duisburg

Kontakt:

chunlanhermann@gmail.com
www.chunlanhermann.com
Instagram/ Facebook : Chun-Lan Hermann

Ausbildung:

2014-2019 Studium der Bildhauerei an der Hochschule der bildenden Künste (HBK) Essen

Warum sind Sie Künstler geworden?

Mich hat Kunst schon als Kind begeistert. Kunst ist in mir wie eine Saat verborgen. Kunst ist wie der Wind, der weht wo er will. Du hörst ihn, aber du kannst nicht erklären, woher er kommt und wohin er geht.

Welche Rolle spielt die Kunst für Sie persönlich in Ihrem Leben?

Die Kunst in meinem Leben ist wie die Entwicklung eines Kochrezepts.

Was bedeutet es für Sie, als Künstler erfolgreich zu sein?

 Zu Leuchten wie ein Licht in der Dunkelheit.

Kann „Scheitern“ auch ein Erfolg sein?

Ein Künstler kennt kein sogenanntes „Scheitern“ oder “Erfolg”, sondern nur verschiedene Perspektive zum Ausdruck zu bringen. Es kommt darauf an, ob das Publikum des Kunstmarktes Verständnis und Gefallen zeigt.

Wie gehen Sie mit dem ‚kulturellen Shutdown‘ um? Was sind die Folgen für Sie persönlich und allgemein?

Die ‚kulturellen Shutdown‘ Zeit ist eine ruhige Zeit, in der ich in anderen Bereichen neue Ideen finden kann. Es ist für mich persönlich eine gute Zeit um über die Kunst nachzudenken.

Nach der Corona-Krise: Was sollte sich in der gesellschaftlichen Haltung zur Kunst verändern?

Alles, was in der Krise als unnötig erachtet wurde, wurde weggelassen. Nur die tägliche Ernährung wird wie immer noch beibehalten. So sollte die Kunst auch als ein Element der Ernährung gelten.

Gibt es ein Kunstwerk von Ihnen, das Sie uns vorstellen möchten, weil es gerade jetzt wichtig ist?

Es ist eine der aktuellsten Arbeiten:

KRAFT
2019
Holz, Lack, Seil
Objekt: 74 x 8 x 8 cm, Höhe variabel
Unikat
1500 €
Die Arbeit besteht aus einem silberlackierten Holzpfahl und einem weißen Seil. Die Oberfläche des Holzpfahls ist so bearbeitet, dass diese glatt zu sein erscheint. Das untere Ende des Objekts läuft spitz zu und besitzt scharfe Kanten. Ein weißes Seil umwickelt den Holzpfahl am oberen Ende, so dass dieser senkrecht in Richtung Boden zeigt.