Künstler*innen denken über den Alltag weit hinaus
Ausgabe 5

Katharina Jahnke

Künstlerinnen und Künstler denken über den Alltag weit hinaus und sprechen mit ihrer Kunst immer wieder grundlegende gesellschaftliche Fragen an. Wie sagte Picasso so schön:

„Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“

Bisher fehlte uns oft die Ruhe, uns mit der Bedeutung der Kunst für unser Leben zu beschäftigen. Der Lebensalltag war oft zu schnell und zu funktional. Es besteht zu wenig Zeit und Raum für grundlegendes Denken.

Nun ist der richtige Moment gekommen, diese Fragen zu stellen.

Viele sehen, dass wir – trotz eines uns grenzenlos erscheinenden Fortschritts – an unsere Grenzen stoßen und das Wesentliche aus dem Blick verlieren. Es gilt, die Welt von heute neu zu denken und die Welt von morgen neu zu gestalten.

Deshalb laden wir Künstler*innen ein, mit denen 701 e.V.  in den letzten Jahren zusammengearbeitet hat, ihre Gedanken mit uns zu teilen. Lassen Sie uns zusammen mit den Künstler*innen den Staub von unseren Seelen waschen.

AUSGABE 5 – 01.6.2020

Katharina Jahnke

Teilnehmender Künstlerin der Ausstellung
Regarding Düsseldorf 2, 2007

Lebt und arbeitet in:

Köln

Kontakt:

https://katharinajahnke.com https://www.instagram.com/starslookdifferent/

Ausbildung:

1990-92 Hochschule für Gestaltung Offenbach bei Prof. W. Luy
1992-97 Kunstakademie Düsseldorf, Klasse Prof. Kamp, Klasse Prof. Hubert Kiecol
1995 Meisterschülerin Prof. Irmin Kamp

Warum sind Sie Künstler geworden?

Weil ich wollte.

Welche Rolle spielt die Kunst für Sie persönlich in Ihrem Leben?

Eine zentrale Rolle.

Was bedeutet es für Sie, als Künstler erfolgreich zu sein?

Es ist oder wäre schön, aber ich mache das sowieso.

Kann „Scheitern“ auch ein Erfolg sein?

Hm. Naja. Auf jeden Fall kann „Scheitern“ komisch sein. Ist ja auch schon was.

Wie gehen Sie mit dem momentanen ‚kulturellen Shutdown‘ um? Was sind die Folgen für Sie persönlich und allgemeinen?

Mehr Zeit, weniger Geld, viel Atelier, mehr virtuell, weniger Originale, viel slow-mo.

Nach der Corona-Krise: Was sollte sich in der gesellschaftlichen Haltung zur Kunst verändern?

Kunst wird gesellschaftlich häufig als Gratisbeigabe, Bonusgeschenk empfunden und genutzt. Es ist wie so oft beides präsent: Durch Corona wird Kunst noch mehr verschenkt, in Online Streams, Social Media, etc. Gleichzeitig ist sie so aktiv und wird vermisst und gepriesen. Vielleicht wäre es zumindest möglich,
1. die Wahrnehmung zu schärfen, dass Künstler/in ein Beruf ist und ein Beruf honoriert werden sollte und das ausdrücklich auch finanziell. Und
2. aus dieser Erkenntnis dann die Konsequenzen zu ziehen, z. B. Ausstellungshonorare.

Gibt es ein Kunstwerk von Ihnen, das Sie uns vorstellen möchten, weil es gerade jetzt wichtig ist?

Die Collage-Reihe „Present Day-Self vs. Future-Self“ zeigt Gesichter, die verborgen, entblößt, versteckt, überlagert von heute gestern morgen sind. Auf jeden Fall sind sie, wie die komische Realität gerade, schwer greifbar. Die Menschen mit Gesichtsmasken kommen mir auch häufig wie Collagen vor.  

Present Day-Self vs. Future-Self“
Present Day-Self vs. Future-Self“
2020
Collage 1 aus einer Serie von 18 Porträts